Dienstag, 10. April 2007

10 Gründe, warum man nicht im Ausland studieren sollte....

So, liebe Leute! Es ist mal wieder Zeit, einen Blog zu schreiben. Dieses Mal NICHT ein "Ach, wie ist es hier schön"-Blog, sondern mal ein Resümee über meine bisherigen negativen Erfahrungen hier ....

Mittlerweile kann ich ja immerhin auf einen 6-wöchigen Erfahrungsschatz an Dingen zurückblicken, die schief gehen, beschissen laufen oder schlichtweg gar nicht funktionieren können.
Aus eben dieser umfangreichen Sammlung habe ich mal meine persönlichen Top 10 an Gründen zusammengefasst, warum man zum studieren NICHT ins Ausland gehen sollte.



Nummer 1: Die Vorbereitung

Manche haben’s ja mitbekommen in Karlsruhe. Man muss sich vorab echt schon um verdammt viel Zeug kümmern. Das hört sich jetzt für den einzelnen so einfach an: ein bisschen Flug buchen, mal schnell eine Wohnung per Internet suchen, Auslands-Bafög und Visum mal so eben kurz beantragen, ein paar Unterlagen besorgen fürs Auslandsamt, kleine Internet-Recherche über meine Studienmöglichkeiten in Chile und deswegen schnell mal bei ein paar Professoren vorbeigeschaut bezüglich der Anerkennung (die natürlich alle supernett sind und einem immer weiterhelfen wollen), dann noch ein bisschen um die ganzen Bank-Sachen kümmern und ein paar Mal zum Arzt rennen, ach ja, und ausziehen... Hab ich was vergessen??? Klingt doch echt einfach, oder?
Ende Oktober habe ich erfahren, dass ich einen Studienplatz in Chile bekommen habe, und ich habe es geschafft, tatsächlich das ganze Wintersemester hauptsächlich mit der Organisation dafür zu verbringen... Wie oft ich dabei schon den Punkt erreicht hatte, an dem ich mir gedacht habe, dass es ja in Karlsruhe eigentlich auch ganz schön ist und ich doch eigentlich gar nicht weg muss, kann ich nicht mehr sagen. Aber es waren EINIGE Male... Die ganzen Stunden, Tage, manchmal sogar Wochen, die ich im Internet verbracht habe auf der Suche nach irgendwelchem Zeug... Dann das ganze Gelaufe und Gekümmere um irgendwelche Unterlagen, die irgendwer aus irgendeinem Grund von einem braucht, ständig dahinter her sein dass alles läuft, Fristen einhalten, die Profs halb beknieen wegen irgendwelcher Anerkennungen und ständig im Hinterkopf haben um was man sich noch alles kümmern muss... Es wird einem vorab definitiv nicht leicht gemacht, ins Ausland zu gehen...


Nummer 2: Die ganze Einschreibegeschichte

Wie diese Geschichte genau abgelaufen ist, kann man unter “Die ersten Tage an der Uni” nachlesen. Das will ich jetzt definitiv nicht noch mal aufrollen, keine Sorge ;)
Wie das alles abgelaufen ist, wenn man tagtäglich teilweise zweimal (im Nachhinein absolut sinnlos) irgendwo hinlaufen muss, herauszufinden wo man überhaupt alles hinlaufen muss, irgendwelche Leute um irgendwelche Sachen anbetteln muss und dann irgendwas aus irgendeinem Grund (den man leider in den meisten Fällen nicht versteht...) nicht geht, kommt man mit einem extremst harten Aufprall auf dem Boden der Tatsachen an.
Ich habe mich dabei relativ schnell von der Illusion verabschiedet, dass die Probleme aufhören bzw. man sie im Griff hat, wenn man erst mal im Ausland ist. In Wirklichkeit fangen sie nämlich da eigentlich erst an...


Nummer 3: Absolut keine Ahnung von irgendwas

Ich habe definitiv zu zählen aufgehört, wie oft ich anfangs hilflos auf dem Campus herumgeirrt bin auf der einfachen Suche nach irgendwelchen Sälen, Büros oder sonstigem. Auch sonst ist einfach alles fremd. Man hat keine Ahnung, wie die Bibliothek genau aufgebaut ist, wo es welche Bücher zu was genau gibt, etc. Außerdem kennt man das Computernetz der Universität nicht, hat keine Ahnung, ob und wie man darauf zugreifen kann, für was der eine User genau gut ist, denn man zusammen mit seinem Studentenausweis auf einem Blatt Papier kredenzt bekommen hat, geschweige denn, wo denn die Homepages der Kurse sind. (Das ist aber ein eigener Punkt! ;)
Auch sonst hat man vom Ablauf der Dinge und wie sie im Allgemeinen so gehandhabt werden, einfach keine Ahnung. Ich habe zu zählen aufgehört, wie oft ich mit meiner absoluten Planlosigkeit hier auf die Bretter gelegt habe, definitiv oft ;) (@ Julia W.: Wie war das? Mindestens einmal am Tag blamieren, dann fühlt man sich gut??? Nach dem müsste es mir hier einfach nur blendend gehen ;)
Teilweise muss man auch erst mal die Dinge herausfinden, die man überhaupt noch herausfinden muss!!!! Das ist größtenteils sogar das eigentliche Problem!!! Wenn man nämlich erst mal weiß, um was man sich kümmern muss, kann man die Lage ja wenigstens halbwegs einschätzen und die Sache angehen. Wenn man aber keine Ahnung hat, dass die Sache überhaupt existiert, kann man sich ja schlecht drum kümmern... Es ist nämlich leider nicht so, dass die einem mit den Infos hier hinterher rennen, eher im Gegenteil...
Man hat schlichtweg anfangs von gar nichts eine Ahnung und muss sich echt alles wirklich mühselig Stückchen für Stückchen erarbeiten... (und das ist ein verdammt langer Weg...)


Nummer 4: Das System verschwört sich gegen einen

Ja, das mit dem Computernetz auf dem Campus ist so eine Sache...
Anfangs in der Buenos-Aires-Geschichte habe ich ja schon von meinem Problem mit dem örtlichen Computer-Netz erzählt. Warum einmal einloggen, wenn man es auch viermal hintereinander machen kann? Das sind so Dinge, die man halt einfach wissen muss bzw. an denen man schlichtweg verzweifelt, wenn man sie nicht weiß...
Aber immerhin mal eine Sache, wofür mein User von der Uni gut war ;) Mit diesem Wissen hab ich es dann immerhin auf 2 der 3 Kurs-Homepages geschafft. Ein kleiner Sieg ;)
Ja, das mit der 3. Homepage war dann so eine Sache für sich. Das, was ich relativ schnell begriffen hatte, war, dass diese Homepage ziemlich wichtig ist. Sämtliche Vorlesungsunterlagen und alle Infos waren immer auf dieser Homepage. Bloß wie um Himmels Willen komm ich auf dieses Ding! Wenn ich aus dem gleichen Verzeichnis wie bei meinen beiden anderen Kursen auf die Homepage dieser Vorlesung gegangen bin, bin ich bei der entsprechenden Seite aus dem Jahre 2005 gelandet.... Hm, ein wenig daneben, würde ich mal sagen....
Todesmutig habe ich dann mal gewagt, einen anderen aus meinem Kurs danach zu fragen, wie man denn da drauf kommt. Nachdem der mich erst mal völlig entgeistert angeschaut hat, wie man denn so was Dummes fragen kann, hab ich ihm dann erst mal was von “estudiante de intercambio” und “no idea” vorgestammelt. Dann hat er mir irgendwas von einem System erzählt, in dem es eine Liste mit meinen ganzen Vorlesungen gibt, von der dann aus die Homepage verlinkt ist. Aha.... Ähhh, was???? Als ich dann noch mal nach diesem System gefragt hatte, war ich dieses Mal darauf total darauf fixiert, aus dem ganzen Kauderwelsch den Namen oder sonst was über dieses System herauszuhören. Ich muss scheins besonders intelligent drein geschaut haben, als er mir das dann beantwortet hat, denn danach hat er mir den Namen sogar aufgeschrieben.... SIDING....????
Tja, nächste Frage: Um was handelt es sich hierbei und wo finde ich es??? Dieser Mensch hat aber dann schon so offensichtlich an meinem Verstand gezweifelt, da wollte ich dann nicht noch mal nachfragen...
Aber für was gibt’s google :-) Als ich dann zu Hause war, hab ich das dann mal recherchiert. Und ich hab’s gefunden! Schön, wenn man mal weiß, wonach man überhaupt suchen soll ;) SIDING = Sistema de Ingeniería... Aha... Also ein anderes Netz, nicht die cursos-Seite wie bei meinen beiden anderen Vorlesungen.... Warum ein Netz, wenn man auch zwei haben kann???
Jetzt kam mein nächstes Problem: Ich konnte mich in dieses tolle System nicht einloggen... (Auch nach dem 10. Versuch nicht!!!)
*grrrrr*


Nummer 5: Wann bin ich endlich auf diesen verdammten Kurs-Listen?!

Relativ am Anfang habe ich erfahren, dass es für jeden Kurs eine entsprechende Teilnehmer-Liste gibt. Den Stempel, den man bei der Einschreibung bekommt, ist ja das Servus, dass einen Kurs besuchen kann. Diese tollen Stempel muss man dann im örtlichen Auslandsamt abgeben, und die sorgen dann dafür, dass man auch auf die entsprechenden Listen kommt. Das ist relativ wichtig, denn wie ich leider schon bald herausgefunden habe, werden alle Infos zu den einzelnen Kursen per Email an eben alle diese Leute verschickt, die auf dieser Liste stehen.
Auch solche Dinge, wie Tarea-Abgabe und so was ist nur möglich, wenn man auf dieser Liste steht. Damit wird nämlich der Zugriff auf bestimmte Sachen auf der Homepage gesteuert oder auch, ob man teilweise überhaupt auf diese Homepage zugreifen kann (!!!)....
Ich würde mal sagen, man hat verdammt schlechte Karten, wenn man nicht auf den entsprechenden Listen steht.....
Als Austauschstudent ist die Frist für die Abgabe der Stempel irgendwann Mitte März. Bis man dann endlich mal auf diese Listen kommt, hat jetzt bis in den April gedauert, und so wirklich sicher, ob ich tatsächlich auf allen diesen Listen bin, bin ich leider immer noch nicht.
Leider nutzt es auch nichts, wenn man auf dieses Auslandsamt hier läuft. Die erzählen einem nämlich nur etwas von “manaña” oder “nächste Woche”, aber was man davon zu halten hat, weiß man ja schon von der Einschreibung!
Als ich mich dann nach dem Zugriff auf dieses SIDING erkundigt hatte, bin ich auch wieder auf die Liste verwiesen worden. Wenn ich nämlich auf der Liste stehe, dann habe ich auch Zugang zu allen entsprechenden Homepages....
Es hat bis letzte Woche gedauert, bis ich endlich auf diese verdammte Homepage gekommen bin! Dabei habe ich dann zufällig erfahren, dass ich bereits eine Ayudantía (=Übung) verpasst habe, und dass, obwohl ich heute meine erste Interrogación in diesem Kurs hatte. Tja, das sind so die Dinge, die einem an manchen Tagen den Rest geben...


Nummer 6: Böse Überraschungen

In dem Zeitraum, bis ich endlich mal auf diese Listen gekommen bin, habe ich deswegen auch einige böse Überraschungen erlebt...
Hier mal ein kleines Beispiel:
Eines Tages bin ich wie an jedem Dienstag und Donnerstag in Sistemas digitales marschiert. Als ich reingekommen bin, waren schon alle da und es lag so eine nervöse Unruhe in der Luft... Normalerweise waren noch nie alle da, wenn ich gekommen bin! Geschweige denn, dass die alle so ein nervöser Bienenschwarm gewesen wären....
Ich hab mir dann mal wie üblich einen Platz gesucht, mich aber weiter gewundert, was denn bloß los ist. Ich hab dann mal einen neben mir gefragt. Ja, der hat mir dann eröffnet, dass gestern eine Email kam, dass heute Prueba ist!!! ACH.... Das sind ja mal Neuigkeiten!!!! Er hat mich dann gefragt, ob ich die denn nicht bekommen hätte. Tja, geht ja schlecht, wenn man nicht auf der Liste ist... Ja, auf der Homepage ist es ja auch gestanden! *grrrr*, auf genau DIE komm ich ja auch nicht!!!!
Das sind die Dinge, die einem total versauten Tag dann das Sahnehäubchen aufsetzen....


Nummer 7: Plötzliche Dinge, die einfach mal so vom Himmel fallen

Manchmal habe ich (aber wirklich bloß durch Zufall) doch mitbekommen, wenn irgendwas per Email oder sonst-irgendwo, wo ich es nicht wusste, bekannt gegeben wurde.
Eine kleine Geschichte zu diesem Thema:
Eines Donnerstags bin ich mal wieder, wie üblich, in der Früh, in die Marketing-Vorlesung marschiert. Nach der Vorlesung, wollte ich mich dann mal drum kümmern, dass ich endlich in so eine Gruppe komme. Für irgendein Projekt muss man sich nämlich in Gruppen zusammenfinden und das dann bearbeiten. Vor mir saß eine, die sich vor der Vorlesung schon mit mir unterhalten hatte. Ich hab sie dann nach der Vorlesung gefragt, ob in ihrer Gruppe noch ein Platz frei ist, und tatsächlich war noch einer frei! *freu* Ich hab mich dann noch kurz mit ihr unterhalten und bei der Verabschiedung hat sie dann gemeint, “Bis Montag”. Bis Montag???? Nächste Vorlesung ist doch am Dienstag, wie üblich, oder??? “Nein, Montag in der Ayudantía ist doch die Contról!“ CONTRÓL???? AM MONTAG??? Verdammt! Mit so was hatte ich natürlich nicht gerechnet. Das Wochenende war somit im Arsch.... :(
Nachdem ich dann noch meine beiden anderen Vorlesungen, Gott sei Dank ohne böse Überraschungen hinter mich gebracht hatte (oder zumindest ohne Sachen, die sich nachhaltig eingeprägt hätten), habe ich Julia mal gleich von meinem Drama erzählt und mich bemitleiden lassen ;)
Nachmittags habe ich mich dann in meinen Email-Account von der Universität eingeloggt um einem von meiner Marketing-Vorlesung zu schreiben, was denn genau da am Montag stattfindet. Dabei habe ich dann gesehen, dass ich vom Tecnología-de-Información-Kurs noch eine Email bekommen hatte. Freundlicherweise hatte der Prof dafür gesorgt, dass ich schon auf die Liste für diesen Kurs gekommen bin, und aus diesem Grund soll ich doch bitte bis zum nächsten Tag, Freitag, 24 Uhr die Prueba im Internet nachholen, die die anderen schon die Woche vorher machen mussten. Da ich unglücklicherweise zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf der Liste stand, konnte ich die Prueba da noch nicht machen. Ich hatte natürlich auch noch nicht damit gerechnet, so schnell auf diese eine Liste zu kommen, und mir deswegen noch Zeit gelassen mich drauf vorzubereiten. Ich dachte, wenigstens in diesem Punkt könnte ich mich auf das örtliche System verlassen ;) Aber wieder mal falsch gelegen... Das hat für mich bedeutet, dass ich bis Freitag abend 21 Seiten spanischen Plain-Text lesen musste, zu dem ich dann in der Prueba Fragen beantworten muss....
*brodel*... Ist ja nicht genug, dass ich Montag urplötzlich die Contról habe, NEIN, auch noch eine Prueba bis zum nächsten Tag!!! Ich hab mich dann mal gleich an meine 21 Seiten gemacht... Für manch einen hört sich das vielleicht verdammt wenig an, mal so eben 21 Seiten lesen... Aber auf spanisch??? Mein Schnitt für die erste Seite zum lesen bzw. mir zu übersetzen war über eine Stunde... Gott sei Dank habe ich mich aber mit der Zeit in diesen Text eingelesen und viele Wörter haben sich dann wiederholt. Freitag habe ich mich dann auf ca. 2 bis 3 Seiten pro Stunde gesteigert :-) Dann habe ich die Prueba gemacht und bestanden!!! *freu*
Ja, dann gings zu Marketing.... Wär ja nicht so, dass mir hier die Arbeit ausgehen würde...


Nummer 8: Absolut nicht wissen, was einen erwartet....

Aus dieser Marketing-Contról mache ich mal einen eigenen Punkt. Ich glaube nämlich, dass es mir noch öfters so ergehen wird....
Von einem Typen habe ich inzwischen erfahren, dass die Contról am Montag gar nicht über den Vorlesungsstoff geht, sondern dass man sich anhand eines Fragen-Blattes auf der Homepage die Fakten zusammen-googeln muss! Tja, damit habe ich dann Samstag, Sonntag und Montag Vormittag verbracht... Thema dieses Fragen-Blattes war Meinungsforschung. Das ist ja ein interessantes Thema, aber sich die Antworten teilweise spanisch googeln zu müssen, ist echt anstrengend!!!!
Montag in der Ayudantía hat er dann eine Frau vorgestellt, die nun einen Vortrag über Meinungsforschung halten soll, und die Contról kurzerhand einfach auf Dienstag morgen in die Vorlesung verschoben.
Die Marketing-Vorlesung ist Dienstag gleich im ersten Block, das heißt um 8.30 Uhr. Da ich am Abend zuvor in meine jetzige WG umgezogen bin, wusste ich nicht, wie lange ich genau in die Uni brauchen würde, und bin aus diesem Grund auf alle Fälle rechtzeitig los. Bei einem Metro-Knoten gab's an diesem Morgen auch aus irgendeinem Grund ein extremes Chaos, so dass sich das sogar glücklich getroffen hatte und ich trotzdem rechtzeitig in der Uni war.
Als ich reinkam, lagen die Angaben für die Contról bereits auf dem Tisch, aber die haben von den anderen Leuten in meinem Kurs KEINEN interessiert. Nichts von durch das Papier schon mal versuchen die ersten Fragen zu lesen. NICHTS! Als ob die noch nicht da wären.... Seltsam....
Um 8.30 waren von den über 30 Leuten, die wir sind, vielleicht 8 da. Wie gesagt, es gab da an einem Metro-Knoten irgendein Chaos. Um 8.31 Uhr meint dann der Prof, dass es jetzt ja schon eine Minute drüber wäre, und wir jetzt mit der Contról anfangen! HÄH??? Obwohl noch so gut wie keiner da ist??? Die sind doch hier sonst nicht so genau mit der Uhr....
Naja, jedenfalls haben wir dann tatsächlich mit der Contról angefangen, und nach und nach sind dann alle eingetrudelt. Es mussten aber trotzdem alle gleichzeitig abgeben. Es gab welche, die kamen erst ein paar Minuten vor Schluss. Man muss dazu sagen, dass die Contról auch nur 20 Minuten gedauert hat, also nicht allzu lang war.
Tja, nun zu meinem eigentlichen Problem mit der Contról, dem Inhalt:
Natürlich waren die Fragen nicht eins zu eins die Fragen auf dem Blatt auf der Homepage, sondern Dinge, über die man stolpert, wenn man das eine oder andere ein bisschen genauer recherchiert. Für mich also so gut wie unmöglich, die Fragen teilweise zu beantworten. Wie sollte ich denn wissen, was genau da wichtig und unwichtig ist von den Dingen, die man googeln musste??? Vor allem auf spanisch??? Ich hab zumindest überall was hingeschrieben, aber die Chance, dass es richtig ist, ist wohl eher gering... ;) Gott sei Dank war ich dieses Mal zumindest nicht die einzige, die schlecht abgeschnitten hat. Wie gesagt, einige kamen erst ein paar Minuten vor Schluss und haben keine Verlängerung bekommen.
Überhaupt finde ich es ein etwas seltsames System, über Dinge, die man erst mal selbst herausfinden muss und von denen man teilweise noch nicht mal so genau weiß, dass man sie eigentlich auch rausfinden muss, eine Contról zu schreiben... Aber na ja, im Ausland ist ja alles immer irgendwie anders....
Es wird vermutlich nicht das letzte Mal für mich gewesen sein, in so eine Contról zu gehen und keine Ahnung zu haben, ob ich gut oder schlecht vorbereitet bin...


Nummer 9: NICHTS ist planbar

Meiner Meinung nach wären manche Sachen ja teilweise gar nicht so schlimm, wenn man sie nur halbwegs kontrollieren oder wenigstens überhaupt vorhersehen könnte...
Selbst wenn man es mal auf einige dieser Listen geschafft hat und wenigstens halbwegs das Gefühl hat, endlich Herr der Lage zu sein, werden trotzdem ständig irgendwelche Sachen rumgeschoben oder mal so eben kurz mitgeteilt. Nächste Woche muss ich zum Beispiel Montag eine Informe über ein Projekt abgeben, Dienstag habe ich eine Präsentation und noch eine Interrogación in Marketing. Eine Interrogación ist eine 2-stündige Klausur, also durchaus was ernstzunehmenderes. Zwei von diesen Terminen wurden verschoben, unwahrscheinlich, dass noch mal was verschoben wird. Tja, jetzt steh ich da... Ich muss mich mit meinen Leuten für dieses Projekt treffen und mich mit anderen für die Präsentation zusammensetzen. Wir sind natürlich in Chile, wo alles auf den letzten Drücker gemacht wird... Ach ja, und nebenbei lern ich noch ein bisschen auf meine 2-stündige Marketing-Klausur. Ich würde mal sagen, Wochenende ade....
So geht es hier andauernd. Ständig werden irgendwelche Sachen verschoben, manchmal passt’s gut, manchmal schlecht, manchmal überhaupt nicht... Ständig gibts neue Umstände... Man muss echt definitiv spontan sein! ;)


Nummer 10: Die Sprache....

Selbst wenn die Punkte vorher alle nicht wären, gibt es ein echt schwerwiegendes Problem hier: DIE SPRACHE.
Die Chilenen reden ein absolut unverständliches Spanisch!!! Besonders wenn man mit Leuten über Dinge redet wie Systemzugang, irgendwelche organisatorischen Dinge oder sonst irgendein komplizierteres Zeug. Man hat nicht nur das Problem, dass man mit dem Inhalt des Gesagten nichts anfangen kann, weil einem irgendwelches Vorwissen oder sonstige Infos fehlen, sondern es scheitert schon daran diesen Inhalt ERSTMAL ÜBERHAUPT ZU VERSTEHEN!!!!!!
Um vielleicht das Ausmaß mal kurz darzustellen: Selbst die spanischsprachigen Ausländer (mein mexikanischer Mitbewohner zum Beispiel) hat Probleme die Chilenen zu verstehen!!! Wie soll ICH die dann verstehen???
Es ist echt frustrierend, wenn man nach irgendeiner Frage nur einen absolut unverständlichen Kauderwelsch als Antwort bekommt, á la “Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin genau so klug als wie zuvor”.....



So, das wären meine persönlichen Top 10... Hört sich vielleicht jetzt einzeln alles nicht so schlimm an, aber die Masse macht es, wenn alles gleichzeitig kommt...
Ich dachte ja bisher von mir, dass ich ein bisschen was vertragen kann an Niederlagen und Rückschlägen; so ein kleines Stehaufmännchen, das sich nicht so leicht unterkriegen lässt ;) Aber ich muss echt zugeben, dass ich hier an einigen Tagen definitiv an meine Grenzen gestoßen bin, an denen einfach zu viele Dinge auf einmal passiert sind oder der Berg der Probleme einfach zu groß wurde. Oder wenn gerade Dienstag ist und wieder irgendwas passiert ist, und man sich dann ernsthaft die Frage stellt, wie man sich bloß bis zum nächsten Wochenende hinüber retten soll...



Das ist eine Darstellung von meinen bisherigen NEGATIV-Erfahrungen hier. Es gibt natürlich auch viele schöne Dinge hier, und mir gefällt es hier wirklich! Wenn nur teilweise die Uni nicht wäre ;)

Natürlich muss es auch nicht zwangsläufig jedem Austausch-Studenten so gehen wie mir. Trotzdem ich bin mir ziemlich sicher, dass bei jedem Austausch ständig irgendwas schief geht... Das hat das Austauschsystem meiner Meinung nach so an sich ;)
(Besser, man stellt sich schon mal drauf ein, dann trifft es einen (v.a. anfangs) nicht immer so komplett frontal ;)


Ach ja, was ich bei dieser Gelegenheit noch los werden will: Mein Respekt vor allen Austauschstudenten in Deutschland ist ins Immense gewachsen!!! Ich habe hier ja teilweise noch das Glück, dass es relativ wenige Austauschstudenten gibt, und aus diesem Grund sind die Leute eher noch neugierig sind und einem auch (teilweise) total lieb weiterhelfen, wenn man mal wieder gar keinen Plan hat. Aber in Deutschland.... Also, ich möchte da kein Austauschstudent sein...
(Wenn ihr mal einen absolut planlosen Menschen, offensichtlich Austauschstudent, seht, könnt ihr ja mal an mich denken und ihm einfach mal kurz ungefragt weiterhelfen .... :-)


Zum Schluss noch an alle Schweden-, USA- und sonst-wohin-Gänger:
Alles Gute, viel Glück und nicht unterkriegen lassen!!!!
(Auch wenn letzteres manchmal sehr schwer sein kann....)

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